Energietisch Altenberg e.V.

Experimente mit Wind

Eine Publikumsumfrage zum Thema Windkraft in Altenberg bringt ein überraschendes Ergebnis.

Von Franz Herz, Sächsische Zeitung Dippoldiswalde, 27. 06. 2014

Das Thema Windenergienutzung im Erzgebirge ist nach wie vor umstritten. Schrecken die Rotoren Touristen ab? Brauchen wir sie unbedingt für die Energiewende? Wie können sich Bürger daran beteiligen? Zu diesen Fragen hatte der Energietisch Altenberg eine Podiumsdiskussion organisiert. Rund 80 Interessierte waren gekommen.

Wie stehen die Bürger zum Thema Windkraftwerke?

Die Organisatoren hatten Zettel unter den Besuchern verteilt und diese nach ihrer Meinung gefragt. 58 Gäste nahmen daran teil. 41 sprachen sich für Windkraft als erneuerbaren Energieträger aus, 17 dagegen. Die Befürworter forderten aber mehrheitlich gewisse Regeln. So müssen Naturschutzbelange eingehalten, die Bürger mit einbezogen werden oder die Anlagen im zumutbaren Abstand zu Wohnsiedlungen errichtet werden. „Es ist also ein großer Anteil für Windkraft, wenn auch mit Einschränkungen“, fasste Dietrich Papsch, der Vorsitzende des Energietischs Altenberg, das Ergebnis zusammen. Es überraschte, weil bisher im Osterzgebirge häufig Windkraftgegner in der öffentlichen Diskussion zu hören waren.

Können Windanlagen Touristen vertreiben?

Zu diesem Thema trugen die Politiker auf dem Podium widersprüchliche Zahlen vor. Michael Eilenberger, der als Windkraftgegner dort saß, zitierte eine Umfrage aus dem Jahr 2011. Danach würden 80 Prozent der Touristen überlegen, ihr Urlaubsziel zu wechseln, wenn dort Windrotoren gebaut werden. Dem entgegnete Hans-Jürgen Schlegel von der Vereinigung zur Förderung erneuerbarer Energien, dass nach anderen Umfragen 60 Prozent nichts gegen Windenergieanlagen einzuwenden hätten. Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) weiß auch nicht, wie die Auswirkung wäre, wenn in der Nähe von Altenberg weitere Windanlagen errichtet würden. Er sagt aber: „Das wäre ein Experiment. Wir kämpfen aber in der Region um jeden Gast und können uns dabei solche Experimente nicht leisten.“

Verhilft die Windkraft der Energiewende zum Erfolg?

Auf dem Podium saßen die energiepolitischen Sprecher aller demokratischen Parteien im sächsischen Landtag. Sie waren sich einig, dass die Energiewende weitergehen muss. Allerdings halten Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) und Mike Hauschild (FDP) dabei stärker an der Braunkohle fest als die Vertreter der Oppositionsparteien. Hauschild vertritt die Meinung, dass alle vernünftigen Standorte für Windkraftanlagen in Sachsen schon weitgehend zugebaut seien. Sie gehört aber zu einer Mischung aus verschiedenen erneuerbaren Energien dazu, war die Meinung der Oppositionsvertreter. Jana Pinka (Linke) erhielt Beifall, als sie sagte: „Die Anlagen können durchaus als Ausdruck von Hochtechnologie gesehen werden.“

Wo sind die richtigen Standorte für Windkraftanlagen?

Es gibt die Forderung, Windkraftanlagen dort aufzubauen, wo auch die großen Verbraucher sitzen. Doch das passt nicht immer zusammen. Denn die Windrotoren bringen dort den meisten Strom, wo der Wind kräftig weht. Das tut er an der Küste und an exponierten Lagen im Binnenland. Deswegen ist das Erzgebirge für
Windanlagen ein wirtschaftlich attraktiver Standort. Das muss aber abgewogen werden mit anderen Folgen für die Landschaft, die Natur und die Einwohner und den Fremdenverkehr.